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Renate Lehnort 

 

 

Wohin der Wind uns weht

 

Schritt für Schritt dem Ziel entgegen

 

Band 2: 1848

Familiensaga

 

 

BLICK INS BUCH:

 

John saß hoch zu Ross, auf der rechten Seite des Pferdes steckte sein Gewehr im Halfter, die Satteltaschen war prall gefüllt. Zu der abgetragenen Hose aus hellem Hirschleder trug er ein Hemd aus demselben Material, darüber noch eine wollene Weste. Um seinen Hals schlang sich ein buntes Halstuch, darunter hing eine Kette mit Tierzähnen. Auf seinem Kopf saß der Schlapphut, den er bereits beim ersten Treffen mit den Reisenden getragen hatte, nur sahen dieses Mal keine Haare hervor und sein Gesicht war glattrasiert. Seine Füße steckten wieder in knöchelhohen Mokassins. Über der linken Schulter trug er einen Riemen, an dem ein Messer, ein Beil, ein Signalhorn und ein Beutel baumelten. In einem Patronengurt, der um seine Hüfte gebunden war, steckte ein Revolver. Er drehte sich im Sattel um und ritt dann die Kolonne der Planwagen ab, um zu sehen, ob alle seine Schäfchen vorhanden waren.
Pat und Finn hatten sich absichtlich am Ende der Kolonne mit ihrem Planwagen eingereiht. Vorne herrschte dichtes Gedränge, Gelächter und Flüche drangen an ihre Ohren. Die Ochsen scharrten mit den Hufen und schienen genauso nervös zu sein wie ihre Begleiter. Pat und Finn, die sich mit Zugtieren gut auskannten, hatten darauf geachtet, Tiere zu nehmen, die willig und leicht führbar waren. Den Ochsen hatten sie den Namen Sugar und Hero gegeben, der Milchkuh, die hinten am Wagen angebunden war, wurde von Ciara und Mary der Name Dolly verpasst. 
Auf der Seite von Sugar stand Finn, auf der von Hero Pat. Beide hatten Peitschen in der Hand, um sie bei Bedarf anzutreiben. Mary stand hinter Pat und sandte ein stilles Gebet zum Himmel, dass ihre Übelkeit am Morgen nur durch die Aufregung über die bevorstehende Reise ausgelöst worden war. Ciara stand mit klopfendem Herzen hinter Finn.
Finn drehte sich zu Ciara um. „Gleich beginnt das große Abenteuer“, flüsterte er. „Hast du Angst?“
„Angst nicht, aber aufgeregt bin ich schon“, flüsterte Ciara zurück und fragte sich im selben Augenblick, warum sie flüsterten, da doch hinter ihnen niemand war. Sie warf einen Blick zu Mary, deren Gesicht unter der dunkelblauen Leinenhaube leichenblass war, und nahm sich vor, sie bei nächster Gelegenheit über ihre Befindlichkeit zu befragen. Am Morgen war sie nach einem einfachen Frühstück blitzartig verschwunden und mit tränenden Augen und weißem Gesicht wiedergekehrt. 
John zügelte neben Pat sein Pferd und lächelte aus seiner Höhe zu ihm hinab. „Gar nicht blöd als letzter in der Kolonne zu gehen, da hetzt euch keiner von hinten. Jetzt stehen alle noch in Reih und Glied, das wird sich bald ändern. Vor uns stehen drei Trails. Zwei fahren nach Kalifornien der andere fährt ebenfalls nach Oregon. Er wird von einem Mann geführt, den ich nicht sehr schätze, weil er immer der Erste sein will. Soll er. Ich habe nicht die Absicht, ein Wettrennen zu veranstalten, daher bleiben wir hinten. Ich kenne viele gute Plätze zum Lagern, ist es nicht der, dann eben ein anderer. Ich hoffe nur, dass nicht einige von uns vom Ehrgeiz gepackt werden und versuchen, ihn zu überholen.“ 
„Besteht unser Trail nach wie vor aus achtundzwanzig Wagen?“, fragte Pat.
„Drei sind abgesprungen, was mir sehr recht ist. Bei der letzten Zusammenkunft, bei der ihr gefehlt habt, ist noch Folgendes bezüglich meiner Signale mit dem Horn besprochen worden: Einmal blasen bedeutet kommt alle her zu mir, zweimal vorwärts, dreimal stehen bleiben.“
„Haben die anderen einen Sprecher aus ihrer Mitte gewählt?“
„Nein. Ich habe die Ehre, nicht nur euer Begleiter, sondern auch eure Mama zu sein.“ Er lachte. „Der Grund, warum sie mich gewählt haben, ist derselbe, den ihr vorgebracht habt, man kennt einander nicht. Das Gericht haben wir auch zusammengestellt. Außer dir sind noch ein Anwalt, ein Kaufmann, ein Tischler, ein Lehrer und meine Wenigkeit dabei.“ 
„Ich hoffe, dass dieses Gericht nie tagen muss.“
„Wir werden sehen. Wir sind auch übereingekommen, alle Du zueinander zu sagen. Ich muss nach vorne, wir starten gleich.“ John brachte sein Pferd in Position, tippte auf seinen Hut und ritt an die Spitze seines Trails.
Kurz darauf ertönte das Signalhorn, der Zug der Planwagen setzte sich in Bewegung.

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