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Renate Lehnort

Dunkle Macht

 

Roman

 


 

BLICK INS BUCH:

 

Im selben Moment kam Lore auf ihn zu, streckte ihre Hand aus, sagte: „Mit streng zurückgekämmten Haaren siehst du fürchterlich aus“ und war im Begriff, durch seine Haare zu fahren.
Er erwischte sie gerade noch am Handgelenk, bevor sie ihre Absicht durchführen konnte. „Lass das!“, herrschte er sie an. „Ich bin kein kleiner Bub, den du bemuttern musst.“
Lore sah ihn überrascht an. „Entschuldige, ich habe es nur gut gemeint“, sagte sie und kniff die Lippen zusammen. „Willst du Eierspeise oder Spiegeleier?“
„Zwei Spiegeleier“, knurrte Klaus hinter der Zeitung.
„Warum bist du an diesem herrlichen Tag so schlecht gelaunt?“, fragte sie und schlug drei Eier in die Pfanne.
„Ich bin nicht schlecht gelaunt“, widersprach Klaus. „Aber ich werde es gleich sein, wenn du mich die Zeitung nicht in Ruhe lesen lässt.“
„Du hast ein Problem, das sehe ich dir an“, blieb Lore hartnäckig. „Was ist es?“
„Himmel Herrgott!“, fauchte Klaus und pfefferte die Zeitung auf den Tisch. „Warum lässt du mich nicht in Ruhe?“
Jetzt war Lore gekränkt. Eine Laune hat er heute wieder, schrecklich, dachte sie und knallte ihm ein Spiegelei nach dem anderen auf den Teller. Dann setzte sie sich und warf ihm einen prüfenden Blick zu. Er sieht krank aus. Wahrscheinlich ist er überarbeitet, diese ewigen Nachtdienste und dazu die Ordination. Kein Wunder, wenn er gereizt ist. „Möchtest du Toast oder Vollkornbrot“, fragte sie freundlich, hielt ihm den Brotkorb hin und beschloss, auf seine schlechte Laune nicht einzugehen.
Klaus griff nach dem Toast und führte ihn zum Mund. Er stoppte auf halbem Wege, da Lore sagte: „Soll ich ihn dir nicht mit Butter bestreichen? Er ist dann saftiger.“
„Ich weiß nicht, was heute in dich gefahren ist“, sagte Klaus und legte den Toast neben seinem Teller auf die Serviette. „Ich bin ein erwachsener Mann. Wenn ich Butter auf den Toast haben will, dann streiche ich sie drauf.“
Lore stiegen die Tränen in die Augen. Sie senkte den Kopf, schnitt ein Stück von ihrem Spiegelei ab und zwang sich, es zu essen. Es schmeckte wie Pappe.
Klaus stopfte Toast und Spiegeleier hastig in sich hinein und langte nach einem Stück Vollkornbrot, obwohl er darauf keinen Appetit hatte. Automatisch schnitt sein Messer in die Butter, automatisch verteilte er sie auf dem Brot, automatisch griff er nach dem Teller, auf dem normalerweise neben dem Schinken der Käse lag. Heute fehlte er. Er sah auf und fragte: „Wo ist der Käse?“
„Ich habe vergessen, einen zu kaufen“, sagte Lore gleichmütig.
Klaus setzte sich kerzengerade auf. „Lore, du hast nichts anderes zu tun, als den Haushalt für zwei Leute zu führen. Du weißt, ich esse gerne Käse zum Frühstück, wieso kannst du mir diesen kleinen, diesen winzig kleinen Wunsch nicht erfüllen?“ Seine Stimme war von Wort zu Wort lauter geworden.
„Mein Gott Klaus! Ich habe ihn vergessen, nimmst du eben Schinken.“
„Ich will aber keinen Schinken!“, tobte Klaus. „Ich will Käse. Scheinbar hast du nur deine Vergnügungen mit deinen Freundinnen im Kopf!“
Mit Lores Beherrschung war es vorbei, einzelne Tränen kullerten über ihre Wangen. „Willst du einen Streit vom Zaun brechen? Dich bei mir wegen was weiß ich abreagieren? Nur zu. Tritt nur auf mir herum, ich bin es ja gewohnt, Fußabstreifer zu sein.“
Klaus‘ Mundwinkel zeigten nach unten. Plötzlich hasste er sie. Hasste ihr Getue um seine Person, hasste ihr dunkel gefärbtes Haar, hasste ihre Stimme, die wehleidig und anklagend geklungen hatte, hasste den demütigen Blick aus ihren blauen Augen. Und hasste sich selbst, weil er so empfand. Er konzentrierte sich mit gefurchter Stirn auf seinen Teller und legte penibel drei Tomatenscheiben auf sein Brot. Dann hob er den Kopf und sagte in akzentuiertem Tonfall: „So, ich trete also andauernd auf dir herum, ja? Was meinst du mit andauernd? Andauernd kann es zwischen uns gar nicht geben, da ich die meiste Zeit arbeite und nicht zu Hause bin. Ich habe wie ein Ackergaul gearbeitet, um dir dieses Haus zu ermöglichen, und ich tue es immer noch – nicht für mich, sondern für dich!“ Er unterstrich das ‚Für dich‘, indem er mit ausgestrecktem Zeigefinger auf Lore deutete.
Lore warf ihm einen Blick zu, der ausdrückte: ‚Warum verletzt du mich, warum tust du mir weh? Ich habe dir nichts getan.‘
Klaus bemerkte, wie ihre Schultern nach unten sackten, als würde jemand ein schweres Gewicht auf sie legen, und sah die Tränen in ihren Augen. Seine Wut verpuffte so schnell, wie sie gekommen war, er fühlte sich klein und erbärmlich. Übergangslos sagte er: „Ich werde mich von dir trennen.“

 

 

 

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